Palast Istiklol: die große Festbühne des zentralen Taschkent
Der Palast Istiklol gehört zu jenen Orten in Taschkent, in deren Nähe sich die Stadt besonders groß, offiziell und selbstbewusst anfühlt. Selbst wer das Gebäude nicht dem Namen nach kennt, bemerkt es auf dem Platz fast immer. Der Maßstab ist zu ausdrucksstark, um daran vorbeizugehen. Breite Treppen, eine mächtige Fassade und ein großer offener Raum drumherum machen sofort klar: Vor Ihnen liegt ein Ort für Konzerte, Feierlichkeiten und große Stadtereignisse.
Lange Zeit war das Gebäude als Palast der Völkerfreundschaft bekannt, und dieser alte Name erklärt seinen Charakter noch immer gut. Es gehört zu jenem Teil Taschkents, der nach dem Erdbeben von 1966 entstand, als die Hauptstadt aktiv umgebaut wurde und breite Boulevards, große Plätze und repräsentative öffentliche Gebäude entstanden. Der Palast Istiklol ist eines der auffälligsten Denkmäler dieser Epoche. Es ist keine kammerartige Ecke und kein Altstadt-Halt. Es ist ein großes Stadtmonument.
Der Saal wurde Anfang der 1980er Jahre eröffnet und war von Beginn an auf großes Format ausgelegt: Foren, Konzerte, offizielle Zeremonien und Massenkulturveranstaltungen. Dieses Gefühl bleibt bis heute erhalten. Selbst von außen betrachtet erzählt das Gebäude viel über Taschkent. Die Hauptstadt erschließt sich hier nicht nur durch Moscheen, Basare und Museen, sondern auch durch große moderne öffentliche Architektur.
Am interessantesten ist hier, wie das Gebäude Monumentalität und Dekorativität verbindet. Von außen ist es sehr starke zivile Architektur, doch dabei fehlt ihr die Trockenheit. In Taschkent verbinden viele modernistische Gebäude eine große Form mit ornamentaler Logik, Struktur und einem fast theatralischen Umgang mit Raum. Deshalb wird der Palast oft in Spaziergänge durch den sowjetischen Modernismus der Stadt einbezogen.
Auch die Umgebung selbst ist wichtig. Der Palast lässt sich gut mit der Medrese Abul Kosim, dem Alischer-Nawoi-Park, dem Museum für Geschichte Usbekistans und dem Nawoi-Theater verbinden. Ein eigener Tag ist dafür also nicht nötig. Er fügt sich natürlich in eine Route durch das Zentrum ein und funktioniert auch bei jenen gut, die sich weniger für das Konzertprogramm als für die Stadtatmosphäre interessieren.
Wer Taschkent über öffentliche Räume verstehen möchte, sollte hier ein paar Minuten verweilen und nicht nur die Fassade betrachten, sondern auch den Platz, die Achsen, die Abstände zwischen den Gebäuden, die Bewegung der Menschen. Taschkent erschließt sich überhaupt oft über den Maßstab. In der Altstadt baut sich der Maßstab auf Höfen, Machallas, Moscheen und dem Rhythmus des Marktes auf. Hier baut er sich auf einem Raum von fast staatlicher Größe auf.
Oft wird gefragt, ob es sich lohnt, hierher zu gehen, wenn man kein Ticket für eine Veranstaltung hat. Die Antwort hängt vom Reiseziel ab. Wer sich nur für antike Denkmäler interessiert, für den sind Hast-Imam oder Chorsu natürlich wichtiger. Doch wer Taschkent als vielschichtige Hauptstadt verstehen möchte, sollte solche Gebäude nicht auslassen. Sie zeigen sehr klar das zwanzigste Jahrhundert und das spätere städtische Bild der Hauptstadt.
Am besten betrachtet man den Palast gegen Abend, wenn das Licht weicher wird und der Platz nicht mehr zu geradlinig und hart wirkt. Tagsüber liest er sich gut als architektonischer Halt. Abends spürt man stärker die Verbindung zu Bühne, Konzerten und städtischem Kulturleben.
Praktisch ist ein langer Besuch hier nicht zwingend nötig, wenn Sie kein Konzertticket oder besonderes Interesse an Architektur haben. Zwanzig bis dreißig Minuten reichen meist aus, um den Platz zu verstehen, das Gebäude zu betrachten und es in das Gesamtbild des Zentrums einzuordnen. Am besten funktioniert der Palast jedoch als Teil einer Abfolge: morgens das alte Taschkent, dann Museen und öffentliche Gebäude des Zentrums, und gegen Abend ein Spaziergang oder ein Kulturprogramm in diesem Viertel.
Der Hauptvorzug des Palastes Istiklol besteht darin, dass er daran erinnert: Taschkent ist nicht nur auf kammerartige Weise schön. Es kann auch öffentlich, feierlich und sogar etwas überschwänglich schön sein. Genau diese Stimmung spürt man hier. Es ist ein Gebäude für die Menge, für die Zeremonie und für die städtische Selbstdarstellung, und deshalb bleibt es eines der ausdrucksstärksten modernen Wahrzeichen der Hauptstadt.
