Museum für angewandte Kunst: einer der besten Orte in Taschkent, um Schönheit aus nächster Nähe zu erleben
Manche Museen beeindrucken durch ihre Größe. Andere durch einen klangvollen Namen. Das Museum für angewandte Kunst in Taschkent wirkt anders. Es erdrückt nicht durch Maßstab, sondern zieht durch Details an. Dies ist der Ort für geschnitztes Holz, Keramik, Stickerei, Metall, bemalte Decken und jene handgemachte Schönheit, die sich nicht in der Eile, sondern bei ruhigem Betrachten erschließt.
Die Wurzeln des Museums reichen in die 1930er Jahre zurück, als Sammlungen von Handwerk und dekorativer Kunst systematischer zusammengetragen und gezeigt wurden. Mit der Zeit wurde es zu einem der nützlichsten Museen der Hauptstadt für alle, die die handwerkliche Seite Usbekistans verstehen möchten. Und das betrifft nicht nur Kunstliebhaber. Die Dinge hier lassen sich oft sehr schnell und lebendig lesen: eine geschnitzte Tür, ein besticktes Panel, eine Keramikoberfläche oder ein Metallgefäß sprechen für sich selbst.
Ein Großteil des Vergnügens beginnt bereits beim Gebäude selbst. Viele erinnern sich an das Haus fast ebenso stark wie an die Sammlung. Und das ist natürlich. Das Museum liegt in einem sehr ausdrucksstarken dekorativen Raum, der schon im Voraus den richtigen Blick einstimmt. Noch vor den Vitrinen und Beschriftungen beginnt man, Farbe, Struktur und Ornament zu lesen. In Taschkent gibt es nicht viele Orte, an denen sich Architektur und Ausstellung so gut gegenseitig stützen.
Besonders nützlich ist das Museum durch seine Bandbreite. Hier entsteht nicht der Eindruck, dass man nur eine einzige Handwerksschule betrachtet. Die Route führt durch Keramik, Holzschnitzerei, Stickerei, Schmucktraditionen, Textilien und andere Formen angewandter Kunst, die sowohl das alltägliche als auch das festliche Leben in Usbekistan geprägt haben. Dadurch ermüdet das Museum nicht durch Eintönigkeit.
Für viele Reisende ist es zudem eine Brücke zwischen dem, was sie an den Denkmälern sehen, und den Händen, die diese Denkmäler geschaffen haben. Nach geschnitzten Säulen, Majolika, Malereien oder Susani in anderen Städten hilft ein solches Museum, das Handwerk näherzubringen, verständlicher und lebendiger zu machen. Aus Bewunderung wird allmählich Verständnis.
Sehr praktisch ist auch, dass das Museum sich gut vor weiterem Einkaufen oder dem Besuch von Werkstätten eignet. Danach wird der Blick präziser. Man beginnt, die Qualität der Linie, die Komposition, die Dichte des Ornaments, die Sauberkeit der Oberflächenbearbeitung besser wahrzunehmen. In diesem Sinne verbessert das Museum still die gesamte übrige Route.
Ein weiterer Vorzug ist das Tempo. Anders als bei Museen, die auf langen Erklärungen beruhen, lässt sich der Raum hier fast „mit dem Körper lesen": näher herantreten, zurücktreten, Materialien vergleichen, bei Strukturen verweilen. Deshalb eignet sich das Museum sowohl für Fachleute als auch für alle, die einfach einen schönen, ruhigen und sehr taschkenttypischen Museumsbesuch suchen.
Im Stadttag verbindet es sich gut mit der Rachimow-Töpferwerkstatt, der Medrese Abul Kosim, den zentralen Museen und einem Spaziergang durch die Boulevards. Wer Geschichte, Handwerk und Stadtspaziergang ausbalancieren möchte, findet hier einen der besten Ankerpunkte für den handwerklichen Teil der Route.
Hierher kann man morgens ebenso gut wie tagsüber gehen. Bei heißem Wetter ist das Museum besonders angenehm, weil es einen ruhigen, inhaltsreichen, aber nicht ermüdenden Halt bietet. Es lohnt sich, genug Zeit einzuplanen, um nicht auf die Uhr, sondern auf die Objekte selbst zu schauen.
Der wichtigste Wert des Museums für angewandte Kunst liegt darin, dass es Kultur von der Ebene großer Worte zu real handgefertigten Dingen zurückführt. Es erinnert daran, dass eine Stadt nicht nur von Herrschern und Architekten geschaffen wird. Sie wird von Handwerkern geschaffen. Und in Taschkent ist das hier besonders klar zu sehen.
