Pilgertourismus in Usbekistan: Umrah Plus über Taschkent und die Heiligtümer des Landes
Usbekistan betrachtet den Pilgertourismus als eine der vielversprechenden Richtungen des Einreisetourismus und versucht, sich in die internationalen Umrah-Plus-Routen einzugliedern. Dieses Format verbindet eine Reise nach Saudi-Arabien zur Durchführung der Umra mit mehreren Tagen kulturellem, geistlichem und Besichtigungsprogramm in einem anderen Land.
Das zentrale Interesse der usbekischen Tourismusbranche gilt den Märkten Indonesiens und Malaysias. Jährlich brechen Hunderttausende Einwohner dieser Länder nach Mekka und Medina auf, und ein Teil der Pilger besucht unterwegs Transitziele. Derzeit nehmen Türkei und Ägypten einen bedeutenden Anteil solcher Zwischenstopps ein, wo Routen über Istanbul und Kairo längst Flüge, Hotels, religiöse Stätten und Besichtigungsprogramme verbinden.
Für Usbekistan ist der Wettbewerb um diesen Strom nicht nur in Bezug auf die Touristenzahl wichtig. Selbst ein kleiner Marktanteil an Pilgerreisen aus Südostasien kann Hotels, Restaurants, Transportunternehmen, Reiseleitern, Inlandsflügen und der Besichtigungsinfrastruktur zusätzliche Auslastung bringen.
Warum Usbekistan für Umrah Plus interessant ist
Usbekistan verfügt über eine starke Grundlage für religiösen und islamischen Tourismus. Samarkand, Buchara, Taschkent, Termez und andere Städte sind mit der Geschichte der islamischen Zivilisation, Theologie, Wissenschaft und den sufischen Traditionen Zentralasiens verbunden. Für Pilger können solche Routen eine gehaltvolle Ergänzung zur Reise nach Saudi-Arabien werden.
In Verhandlungen mit Reiseveranstaltern aus Südostasien wurde bereits die Einbindung Usbekistans in Umrah-Plus-Programme diskutiert. Nach Angaben von Marktteilnehmern erwog ein indonesisches Unternehmen, bis zu 10.000 Touristen jährlich ins Land zu schicken, sofern Flugverbindung und Paketpreis wettbewerbsfähig sind.
Die Hauptbeschränkung bleibt die Wirtschaftlichkeit der Route. Für Gruppenpilgerreisen zählen nicht nur geistlicher Gehalt und Sehenswürdigkeiten, sondern auch Flugpreis, Umsteigekomfort, Fahrplan, Servicequalität sowie Visa- und Bodenlogistik. Usbekistan muss deshalb nicht mit einer einzelnen Sehenswürdigkeit, sondern mit einem vollständigen touristischen Produkt konkurrieren.
Taschkent als Transitpunkt für Pilger
Usbekistan ist dank Direktflügen nach Saudi-Arabien bereits an der Organisation von Pilgerreisen beteiligt. Die Flughäfen des Landes werden nicht nur von usbekischen Bürgern genutzt, sondern auch von Pilgern aus benachbarten zentralasiatischen Staaten, die über Taschkent und andere Städte zur Umra und zum Hadsch fliegen.
Das Problem besteht darin, dass ein bedeutender Teil dieses Stroms bislang transitär bleibt. Pilger durchqueren das Land, halten sich aber nicht immer mehrere Tage auf und nutzen die touristische Infrastruktur kaum. Das Format Umrah Plus soll diese Logik verändern: Reisende können vor dem Abflug nach Saudi-Arabien oder nach der Rückkehr Zeit in Usbekistan verbringen, Heiligtümer, historische Städte, Museen, Basare und Stätten des islamischen Erbes besuchen.
Für die lokale Wirtschaft bedeutet das steigende Nachfrage nach Hotels, Inlandstransport, Reiseleitern, Restaurants, Ausflügen und regionalen Routen. Besonders wichtig könnte die Förderung nicht nur bekannter Zentren, sondern auch weniger populärer religiöser und historischer Stätten in verschiedenen Regionen des Landes werden.
Was für das Wachstum des Pilgertourismus nötig ist
Damit Usbekistan zu einem bedeutenden Zentrum des Pilgertourismus in Zentralasien wird, muss das Land wettbewerbsfähige Flugpakete, bequeme Anschlüsse an Flüge nach Saudi-Arabien, verständliche mehrtägige Programme und einen Service entwickeln, der auf muslimische Reisende aus Indonesien, Malaysia und Nachbarländern zugeschnitten ist.
Die Marktperspektive ist offensichtlich: Gelingt es, Transitpassagiere in vollwertige Touristen zu verwandeln, könnte die Route über Taschkent zu einer Alternative zu den gewohnten Zwischenstopps in Istanbul und Kairo werden. Der Erfolg wird jedoch vom Preis, der Qualität der Organisation, der internationalen Vermarktung und der Fähigkeit abhängen, das islamische Erbe Usbekistans als Teil einer modernen Pilgerreise zu präsentieren.
