Kalta Minor

Kalta Minor in Chiwa: das unvollendete blaue Minarett neben der Muhammad-Amin-Khan-Medrese und eines der stärksten visuellen Symbole der Stadt.

uzbekistankhivamonumentsminaret
Kalta Minor

Kalta Minor: das unvollendete Baudenkmal, das zu Chiwas perfektem Symbol wurde

Kalta Minor ist unvollendet, überdimensioniert und unmöglich zu vergessen. In vielen Städten würde ein unterbrochenes Bauprojekt wie ein Scheitern wirken. In Chiwa wurde es zu einem der erfolgreichsten Bilder des gesamten Reiseziels. Der schwere blaue Zylinder am westlichen Zugang zu Itschan-Kala ist eine jener Strukturen, die sofort wirken. Man braucht kein Vorwissen, um zu verstehen, dass er bedeutsam ist.

Das Minarett steht neben der Muhammad-Amin-Khan-Medrese, der größten Medrese Chiwas, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüber Ata Darvoza. Zusammen schaffen sie eine der eindrucksvollsten Ankunftsszenen der Stadt. Die Medrese ist breit und würdevoll. Kalta Minor ist kurz, massiv und visuell kühn. Die Paarung ist so stark, dass viele Reisende sie als das Gesicht Chiwas in Erinnerung behalten.

Muhammad-Amin-Khan-Medrese und Kalta Minor
Muhammad-Amin-Khan-Medrese und Kalta Minor

Muhammad Amin Khan wollte aus dem Turm eines der größten Minarette Zentralasiens machen. Allein die Basis ist gewaltig, über vierzehn Meter im Durchmesser, und die glasierte Fliesenoberfläche verleiht ihr Schwere, ohne sie visuell tot wirken zu lassen. Nach dem Tod des Khans im Jahr 1855 stoppte der Bau. Das ist die praktische, historische Erklärung. Die legendäre Erklärung ist dramatischer: Der Architekt sei angeblich in eine Rivalität mit Buchara hineingezogen worden, und das Projekt endete in Zorn und Furcht. Ob man sie wörtlich nimmt oder nicht, die Geschichte passt zur Persönlichkeit des Baudenkmals. Kalta Minor lädt zur Legendenbildung ein.

Auch die danebenliegende Medrese verdient Aufmerksamkeit. Mit 125 Hudschren und Platz für Hunderte Studenten war sie die größte Chiwas. Ihr Portal, die Kuppeln, offene obere Loggien, geschnitzte Türen und Ganch-Gitterwerk verleihen dem Ensemble gelehrte Tiefe. Kalta Minor mag den ersten Blick auf sich ziehen, doch die Medrese gibt der Station ihre volle Bedeutung.

Blick auf das Minarett
Blick auf das Minarett

Auf einer Route durch Chiwa ist dies einer der besten frühen Halte. Er hilft dem Besucher, sich sofort zu orientieren. Man ist nahe dem Westtor, nahe Kunya-Ark und nahe einem der klarsten Anker der Stadtsilhouette. Das macht Kalta Minor nicht nur fotogen, sondern auch nützlich.

Eingang zur Medrese
Eingang zur Medrese

Der Morgen ist hervorragend, wenn die blauen Fliesen scharf wirken und der Bereich leichter zu lesen ist. Auch der späte Nachmittag lohnt sich, weil die massive Form des Minaretts wärmeres Licht einfängt. Wenige Baudenkmäler Zentralasiens zeigen so deutlich, dass Unvollendetheit dennoch zur Vollkommenheit in der Erinnerung werden kann. Kalta Minor bleibt unvollendet, doch als Bild Chiwas ist es vollständig.